Kieferortho­pädische Versorgung bricht zusammen!

Gesetzentwurf zur Beitragsstabilisierung der GKV behauptet:

Qualität intensiv fortgebildeter Zahnärzte ist zu schlecht

Richtig ist:

Intensiv kieferorthopädisch fortgebildete Zahnärzte versorgen teils seit Jahrzehnten tausende zufriedener Patienten, die sich die Eltern für die kieferorthopädische Behandlung ihrer Kinder selbst ausgesucht haben. Der Bezirkszahnärztekammer Koblenz sind keine Probleme bekannt!

Gesetzentwurf legt fest: 

Nur noch Fachzahnärzte für Kieferorthopädie dürfen GKV-Fälle behandeln

Richtig ist:

Es gibt schon jetzt viel zu wenige Fachzahnärzte für Kieferorthopädie für alle Kinder und es kommen fast keine nach: seit 2024 im Bereich der Bezirkszahnärztekammer nur eine neue Prüfung! Gleichzeitig sind 40% der Fachzahnärzte Ü60!

Folge des Gesetzentwurfs:

Viele notwendige kieferorthopädische Behandlungen können nicht mehr durchgeführt werden. Viele der betroffenen Praxen werden schließen müssen oder sich erheblich verkleinern. Sie werden mit dem jüngeren Kind nicht mehr zu dem Zahnarzt gehen können, mit dem Sie bei ihrem älteren Kind so zufrieden waren!

Schauen Sie sich die Auswirkungen in Ihrer Region an:

Landkreis

Altenkirchen

Jetzt:

  • 0 Fachzahnärzte
  • 2 fortgebildete Zahnärzte Vollzeit

Danach:

  • 0 Fachzahnärzte

Es fehlen 100 %

Landkreis

Birkenfeld

Jetzt:

  • 1 Fachzahnarzt, davon Ü60: 1
  • 2 fortgebildete Zahnärzte Vollzeit

Danach:

  • 1 Fachzahnarzt, davon Ü60: 1

Es fehlen 66 %

Landkreis

Ahrweiler

Jetzt:

  • 4 Fachzahnärzte, davon Ü60: 2
  • 5 fortgebildete Zahnärzte Vollzeit

Danach:

  • 4 Fachzahnärzte, davon Ü60: 2

Es fehlen 56 %

Landkreis

Mayen-Koblenz

Jetzt:

  • 7 Fachzahnärzte, davon Ü60: 0
  • 7 fortgebildete Zahnärzte Vollzeit

Danach:

  • 7 Fachzahnärzte, davon Ü60: 0

Es fehlen 50 %

Landkreis

Cochem-Zell

Jetzt:

  • 1 Fachzahnarzt, davon Ü60: 0
  • 1 fortgebildeter Zahnarzt Vollzeit

Danach:

  • 1 Fachzahnarzt, davon Ü60: 0

Es fehlen 50 %

Landkreis

Neuwied

Jetzt:

  • 4 Fachzahnärzte, davon Ü60: 1
  • 3 fortgebildete Zahnärzte Vollzeit

Danach:

  • 4 Fachzahnärzte, davon Ü60: 1

Es fehlen 43 %

Landkreis

Rhein-Lahn

Jetzt:

  • 3 Fachzahnärzte, davon Ü60: 1
  • 2 fortgebildete Zahnärzte Vollzeit

Danach:

  • 3 Fachzahnärzte, davon Ü60: 1

Es fehlen 40 %

Landkreis

Westerwald

Jetzt:

  • 9 Fachzahnärzte, davon Ü60: 6
  • 5 fortgebildete Zahnärzte Vollzeit

Danach:

  • 9 Fachzahnärzte, davon Ü60: 6

Es fehlen 36 %

Landkreis

Bad Kreuznach

Jetzt:

  • 8 Fachzahnärzte, davon Ü60: 3
  • 4 fortgebildete Zahnärzte Vollzeit

Danach:

  • 8 Fachzahnärzte, davon Ü60: 3

Es fehlen 33 %

Stadt

Koblenz

Jetzt:

  • 9 Fachzahnärzte, davon Ü60: 4
  • 2 fortgebildete Zahnärzte Vollzeit

Danach:

  • 9 Fachzahnärzte, davon Ü60: 4

Es fehlen 18 %

Beispiele von betroffenen Praxen:

Praxis

Bad Neuenahr-Ahrweiler

„Wir sind zwei Zahnärztinnen, die als Master of Science eine rein kieferorthopädische Praxis (Oktober 2025!) gegründet haben.
Wir wären also im vollen Umfang betroffen, da unsere Praxis nicht für allgemeinzahnmedizinische Tätigkeit ausgelegt ist und als neu gegründete Praxis noch nicht über die Einnahmen verfügt, lange ohne Neuaufnahmen zu überleben.“

Dr. L.W. und Dr. R.W.

Praxis

Birkenfeld

„Meine Partnerin und ich betreiben eine Praxis in der wir hälftig zahnärztlich und hälftig rein kieferorthopädisch, MSc. Abschluss, tätig sind. Um dies zu erreichen haben wir in 2018 eine Praxis übernommen, die Praxisgröße verdoppelt und grundlegend modernisiert. Meine Frau hat seit 2018 einen stetig zunehmenden Zulauf von KFO Patienten und seit Beginn nur zufriedene Patientinnen und Patienten sowie deren Eltern.

Im Landkreis Birkenfeld leben über 80.000 Menschen und es gibt neben unserer Praxis, eine weitere Praxis in der die Behandlerin ebenfalls keine Fachzahnärztin ist, sowie einen Fachzahnarzt Ü60. Wie Sie bereits beschrieben haben, wäre unser Landkreis damit in absehbarer Zeit kieferorthopädisch unversorgt.“

A. Drautzburg und C. Eschig

Praxis

Mayen

Wer wir sind: Ein Leben für die Kieferorthopädie

„Mein Name ist Phillip Apeldorn. Ich bin in der Kieferorthopädie buchstäblich aufgewachsen. Mein Vater, Dr. Eugen Apeldorn, übernahm 1984 die kieferorthopädische Praxis (Dr. Just) in Mayen. Mein Vater war für mich Vorbild und Mentor: Fachzahnarzt, Gutachter, Weiterbildungsberechtigter und leidenschaftlicher Berufspolitiker. Als Kind spielte ich zwischen Gipsmodellen; mit 17 Jahren begann ich im Labor, mit 18 folgte die Zahntechnikerausbildung.

Die Entscheidung für das Zahnmedizinstudium war für mich und meine Frau Vanessa nie eine Frage des Status, sondern der Berufung. Vanessa wählte nach dem Studium ganz bewusst den Weg des Master of Science (MSc.), da uns das Leben vor eine Wahl stellte: Unsere Tochter Antonia wurde Ende 2016 geboren. Ein starres Klinikjahr war für Vanessa als junge Mutter schlicht nicht realisierbar. Sie wählte den MSc.-Weg nicht als Abkürzung, sondern als den einzigen Weg, um Familie und höchste fachliche Spezialisierung zu vereinen. Ich selbst stand zu diesem Zeitpunkt unmittelbar vor dem Abschluss meiner Fachzahnarzt-Weiterbildung bei meinem Vater.“

Der Schicksalsschlag: Verantwortung ohne Übergangsfrist

„Im März 2019 zerbrach unsere Welt. Mein Vater erkrankte schwer und starb am 19. März – nur wenige Wochen vor meinem offiziellen Abschluss der praxisinternen Weiterbildung. Er hinterließ eine Praxis mit über 20 Mitarbeitern, hunderten Patienten und einer fast 40-jährigen Geschichte. Antonia war damals gerade erst zwei Jahre alt.

Es gab keine Schonfrist. Eine Woche vor seinem Tod erstellten wir an seinem Sterbebett die Unterlagen für die Übergabe. Ich musste die Praxis übernehmen, um die Versorgung und die Arbeitsplätze zu sichern. Das bedeutete jedoch: Abbruch der Fachzahnarzt-Weiterbildung, da eine Fortsetzung in eigener Praxis damals nicht möglich war. Der bereits zugesagte Klinikplatz musste aufgegeben werden. "Regel ist Regel" – auch wenn diese Regel in einer Zeit tiefster Trauer wie ein zusätzlicher Schlag wirkte. Doch wir haben nicht aufgegeben. Wir haben gekämpft. Für die Patienten, für das Team und für das Erbe meines Vaters.“

Was wir aufgebaut haben: Qualität kennt keinen Titelzwang

„Heute, sieben Jahre später, führen wir zwei Standorte: Mayen und – aufgrund massiver Unterversorgung – seit 2024 auch Daun. Wir beschäftigen knapp 30 Mitarbeiter und versorgen jährlich mehr als 2.100 Patienten erfolgreich. Nicht ein einziger “sonstiger Schadensfall” in unserer Geschichte. Unsere Praxen arbeiten auf höchstem digitalen Niveau.

Was uns auszeichnet, ist unsere Haltung: Wir machen keinen Unterschied zwischen GKV- und Privatpatienten. Wir investieren massiv in Fortbildung, publizieren wissenschaftlich und ich engagiere mich ehrenamtlich in der Standespolitik (u.a. als Aufsichtsratsmitglied der Versorgungsanstalt der LZK). Wir verfügen über die Expertise eines Fachzahnarztes – was uns fehlt, ist lediglich ein formaler Titel, den ich aufgrund eines tragischen Todesfalls kurz vor der Ziellinie nicht mehr erlangen durfte.“

Die existenzielle Bedrohung

„Die FKG-Empfehlung Nr. 23 trifft uns nun mit einer Härte, die kaum zu rechtfertigen ist. Die geplante Beschränkung der GKV-Abrechnungsrechte auf Fachzahnärzte würde unsere Praxis existenziell vernichten.

Das bedeutet konkret: Eine Praxis, die wir unter größten persönlichen Opfern gerettet und modernisiert haben, stünde vor dem Aus. Tausende Patienten verlören ihre Behandler, 30 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.“

Phillip Apeldorn

Praxis

Höhr-Grenzhausen

Als Gründerin der Praxis TuneUp Smile – Kieferorthopädie im Westerwald in Höhr-Grenzhausen bin ich von den geplanten gesetzlichen Änderungen besonders betroffen. Erst im Dezember 2025 habe ich mich mit einer rein kieferorthopädischen Praxis selbstständig gemacht und Arbeitsplätze für aktuell vier, ab September sechs Mitarbeitende geschaffen. Die vorgesehenen Maßnahmen gefährden die wirtschaftliche Grundlage junger Praxen erheblich und stellen die Versorgungssicherheit im ländlichen Raum infrage. Ich appelliere daher an eine ausgewogene und praxisnahe Ausgestaltung der Reform.

ZÄ Karoline Seithel MSc

Kieferorthopädie

Altenkirchen

„Bereits während des Zahnmedizinstudiums galt meine Vorliebe der Kieferorthopädie. Nach zahnärztlicher Assistenzzeit und praktischen Jahren in der allgemeinen Zahnheilkunde habe ich im Jahr 2000 eine Stelle in einer kieferorthopädischen Fachpraxis in Waldbröl angenommen. Im Jahr 2002 hatte diese Praxis keinen Chef mehr. 1200 laufende KFO-Fälle mussten versorgt werden. Ich habe die Praxis übernommen.

Eine Fachzahnarztausbildung in Selbstständigkeit war laut Weiterbildungsverordnung nicht möglich. Im Jahr 2011 habe ich den dreijährigen berufsbegleitenden Masterstudiengang zum MSc. Kieferorthopädie an der Danube Private University in Krems abgeschlossen.

Im Jahr 2025 hat es mich aus privaten Gründen nach Altenkirchen verschlagen. In vorhandenen Räumlichkeiten habe ich meine kieferorthopädische Praxis neu begründet.

In den 26 Jahren in der Kieferorthopädie ist meine Begeisterung für dieses Fach eher gewachsen als ermüdet. Viele nationale und internationale Weiterbildungen (ja, sie finden in der Regel an unseren Wochenenden statt) bei hervorragenden Kollegen sind permanenter Motor für die Weiterentwicklung der Praxis und meines Wissens.

Die Umsetzung der FKG Empfehlung Nr. 23 bedeutet konkret, dass ich meine Praxis schließen müsste. Damit gäbe es im Lankreis Altenkirchen keine kieferorthopädische Versorgung mehr.

Elke Arnold, MSc. Kieferorthopädie